Lockdown-Lyrik 2.0 / 123: »Tanz der Bäume« von Bela Chekurishvili

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer, Mitherausgeber Folge 1-154).

 

Bela Chekurishvili

Tanz der Bäume

So schauen sie auf uns,
die Bäume,
in der Zeit des Blätterfalls,
schämen sich nicht wegen ihrer Nacktheit,
an der Schwelle zum Winter.
Sie fangen an zu tanzen,
vor dem langen Schlaf,
bevor sie in Träume versinken.

Wie denkst du darüber?
Haben dich ihre ehrlichen Gefühle verwirrt?
Komm, breiten wir auch unsere Arme aus,
wie die Äste,
gehen wir raus
und geben wir uns Zeichen,
obwohl wir fern voneinander sind,
können wir uns immerhin spüren,
wenn das Licht der Dämmerung die Zweige nach oben ruft
und die Dachfirste alltägliche Geschichten erzählen.
Irgendwo in einem Haus wohne ich doch auch
und irgendwo vor deinem Haus tanzt doch auch ein Baum
mit seinem blassen, nackten Stamm
und das passiert,
wenn wir rausgehen,
nur wenn wir nach draußen gehen.

 

ხეების ცეკვა

ასეთი გამოხედვა იციან ხეებმა
ფოთოლცვენისას
და არ ადარდებთ,
ზამთრისპირას რომ შიშვლდებიან –
თავდავიწყებით
იწყებენ ცეკვას დიდი ძილის წინ,
დიდი სიზმრების შესახვედრად.
შენ რა იფიქრე?
ნუთუ მათმა გულწრფელობამ შენც დაგაბნია?
მოდი, გავშალოთ ჩვენც მკლავები,
გარეთ გავიდეთ
და ვანიშნოთ ერთმანეთს, რომ
თუმცა შორსა ვართ,
შეგვიძლია ერთმანეთი კვლავაც შევიგრძნოთ,
როცა ხის ტოტებს ჩამავალი მზის სინათლე თავისკენ უხმობს,
და სახლების სახურავებს ყოველდღიურ ამბებს აყოლებს.
სადღაც ერთ სახლში ხომ მეც ვცხოვრობ
და ერთი ხე ხომ შენთანაც ცეკვავს
ფერმიხდილი, შიშველი ტანით,
საკმარისია, გარეთ გავიდეთ
გარეთ გავიდეთ…

 
 

© 2021 Bela Chekurishvili, Berlin
(Redaktion: Sabine Schiffner, Übersetzung: Bela Chekurishvili)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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