Lockdown-Lyrik 2.0 / 127: »Irgendwann« von Ludwig Steinherr

»Lockdown-Lyrik 2.0! Quarantäne poetisch ausleuchten – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns weiterhin die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der nun von Sabine Schiffner, Anton G. Leitner, Alex Dreppec und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie (Dank an Jan-Eike Hornauer, Mitherausgeber Folge 1-154).

 

Ludwig Steinherr

Irgendwann

nimmt das Licht die Maske ab

Die Stille öffnet die Türen

Auf den Gängen das Scharren von Schritten
Gesichter treten aus dem Dunkel
Das Lachen nimmt Platz
um den zu großen Tisch –

So viele Stühle sind leer
wie um Abstand zu halten
in Konzerten
bei Fußballspielen –

Räum die Stühle nicht weg!

Sieh ihre spitzen
doch geraden Schultern!

Sieh ihre stummen Blicke!

Ihren wissenden Glanz!

Sie sitzen zwischen uns
wie Heimkehrer von einer großen Reise –

Wenn du sie verrückst
ein Geräusch – Räuspern

als wollten sie
ihre Geschichte erzählen

 

© 2021 Ludwig Steinherr, München
(Redaktion: Fritz Deppert und Alex Dreppec)

 

 

Lockdown Lyrik 2.0. Wir hatten gehofft, dass es zu keinem zweiten Lockdown mehr kommen würde. Aber jetzt ist er angeordnet, der sog. »Wellenbrecher-Lockdown«. Er beginnt in Deutschland ab Montag, den 2. November 2020 – mit der Aussicht auf triste Herbst- und Wintertage. Grund genug für die Redaktion der Jahresschrift DAS GEDICHT, ihre vieldiskutierte Netz-Anthologie zur Corona-Krise vom Frühjahr 2020 wieder hochzufahren. Möge diese Online-Sammlung zur Pandemie uns allen einmal mehr dabei helfen, tief Luft zu holen und möglichst viele Aspekte der weltweiten Katastrophe mit dem Instrumentarium der Lyrik auszuleuchten, damit wir und unsere Leserinnen und Leser mental nicht unter die zweite Welle geraten!

Sabine Schiffner, Alex Dreppec, Fritz Deppert und Anton G. Leitner
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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