Lockdown-Lyrik 2: »Der Zwangsurlaub geht viral« von Jan-Eike Hornauer

»Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der von Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie.

 

Jan-Eike Hornauer

Der Zwangsurlaub geht viral
und ein angeschäkerter Selbständiger (genauer: Autor)
macht sich meditativ seine Gedanken

Corona legt das Leben lahm,
zwingt uns, daheim zu bleiben.
Na, immerhin, man hat’s hier warm
und kann schön Unsinn treiben!

Man ist mal frei von dieser Welt,
von ach so manchen Zwängen;
wenn Freiheit in den Alltag fällt,
kann dies selbst Angst verdrängen.

Ja, diese, die ist freilich da,
der Mensch: sonst nicht zu denken!
Und Miete, Lebensmittel, klar,
kann man sich halt nicht schenken.

Der Mensch ist mehr als Virus bloß,
er ist auch: Wirtschaftswesen.
Kann er, ist er Corona los,
als solches auch genesen?

Der Mensch, er weiß nicht (wie das passt!),
und Grübeln hilft nicht weiter.
Ich hab’ drum dies Gedicht verfasst
und rufe »Prost!«
zu heiter.

 

© Jan-Eike Hornauer, München
 

 

Zu dieser Reihe: »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise. Wir wollen im Gespräch bleiben, während wir Infektionsketten unterbrechen. Wir wollen die Erfahrung der Vereinzelung miteinander teilen. Wir wollen virtuelle Brücken bauen. Wir wollen das tun, was wir können: dichten, die Welt – und auch die aktuelle Situation – poetisch erfassen.

Unser Anliegen ist es in jedem Fall, zu einem Mehr an Besonnenheit beizutragen, zu versöhnen statt zu spalten. Mit Sorge sehen wir überharte Diskussionen, wie sie derzeit online, aber auch offline zu häufig geführt werden. Klar ist uns: Es gehört zu einer Demokratie dazu, Konflikte auszutragen. Aber wir insistieren auch hierauf: Es ist ebenso unerlässlich, sich des Gemeinsamen, Verbindenden bewusst zu sein und zu werden sowie respektvoll miteinander umzugehen.

Uns ist bewusst, dass bereits der Ansatz, zur Corona-Pandemie eine Lyrik-Online-Anthologie herauszugeben, ihre Auswirkungen zeitnah lyrisch zu behandeln, und dies aus verschiedenen Perspektiven sowie in unterschiedlichen Tonlagen, als Provokation aufgefasst werden kann. So ist diese Sammlung keineswegs gemeint. Ihr Thema an sich ist jedoch eben hochemotional besetzt. Für uns, die Herausgeber der Reihe, bleibt trotzdem und gerade deshalb wichtig: Wir wollen Brücken bauen, Perspektiven weiten, der ungewohnten Situation mit poetischen Mitteln und im gemeinschaftlichen Sinne begegnen.

Bleiben Sie gesund!

Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer, Fritz Deppert
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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