Lockdown-Lyrik 32: »Wilde Blüten« von Jens Rohrer

»Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der von Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie.

 

Jens Rohrer

Wilde Blüten

Es spricht ja derzeit von Corona
beinah ein jeder Erdbewohner,
das Thema: nicht zu ignorieren.
Und man beginnt zu spekulieren.
Ja, auch von Kiel bis hin zu Wien
erblüh’n Verschwörungstheorien.
Der Ami hat sich wohl verschworen,
der hat’s gezüchtet in Laboren,
ist eine, dies ’ne and’re These:
Es war gewiss doch der Chinese!
Und auf die Frage, ob und wie,
gibt’s eine eig’ne Theorie:
Der Virus nennt sich Sars-CoV 2!
Und das ist echt nicht einerlei,
es weiß doch dies ein jeder Affe:
V2 hieß Hitlers Wunderwaffe!
Der Nazis war’s, der auf dem Mond
(dunkle Seit’) in Scharen wohnt
Seit dem Weltkrieg, im Geheimen,
forschen Nazis dort mit Keimen:
Ihr Virus soll die Staaten schwächen,
um über sie hereinzubrechen.
Und dabei helfen die Chinesen,
weil sie … von rechts nach links nicht lesen …

Der Leser wird mit Recht sich fragen:
Wie soll man solchen Quatsch ertragen?
Und konstatieren muss man doch,
er sprießt in echt ja noch und noch!
Der Mensch, er redet sich gern ein,
es muss doch jemand schuld dran sein.
Das kommt doch nicht aus der Natur,
der Wutbürger, da bleibt er stur,
es muss ein Mensch gewesen sein!
Sonst gibt’s ja niemand anzuschrein.
Und wenn kein Mensch, dann Echsen, Elfen …
Viel lieber mag er, statt zu helfen,
so manchen Schwachsinn rausposaunen,
und der, der lässt dann nur noch … staunen.

 

© Jens Rohrer, Ingolstadt
 

 

Zu dieser Reihe: »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise. Wir wollen im Gespräch bleiben, während wir Infektionsketten unterbrechen. Wir wollen die Erfahrung der Vereinzelung miteinander teilen. Wir wollen virtuelle Brücken bauen. Wir wollen das tun, was wir können: dichten, die Welt – und auch die aktuelle Situation – poetisch erfassen.

Unser Anliegen ist es in jedem Fall, zu einem Mehr an Besonnenheit beizutragen, zu versöhnen statt zu spalten. Mit Sorge sehen wir überharte Diskussionen, wie sie derzeit online, aber auch offline zu häufig geführt werden. Klar ist uns: Es gehört zu einer Demokratie dazu, Konflikte auszutragen. Aber wir insistieren auch hierauf: Es ist ebenso unerlässlich, sich des Gemeinsamen, Verbindenden bewusst zu sein und zu werden sowie respektvoll miteinander umzugehen.

Uns ist bewusst, dass bereits der Ansatz, zur Corona-Pandemie eine Lyrik-Online-Anthologie herauszugeben, ihre Auswirkungen zeitnah lyrisch zu behandeln, und dies aus verschiedenen Perspektiven sowie in unterschiedlichen Tonlagen, als Provokation aufgefasst werden kann. So ist diese Sammlung keineswegs gemeint. Ihr Thema an sich ist jedoch eben hochemotional besetzt. Für uns, die Herausgeber der Reihe, bleibt trotzdem und gerade deshalb wichtig: Wir wollen Brücken bauen, Perspektiven weiten, der ungewohnten Situation mit poetischen Mitteln und im gemeinschaftlichen Sinne begegnen.

Bleiben Sie gesund!

Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer, Fritz Deppert
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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