Lockdown-Lyrik – poetische Bilder 6: »Auerbachs Keller – Buchmessebetrieb« von Jan-Eike Hornauer

»Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung von Gedichten, die sich mit der Corona-Krise befassen. Es darf uns die Sprache nicht verschlagen! In loser Folge erscheinen neue Episoden der von Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer und Fritz Deppert herausgegebenen Anthologie.

 

Jan-Eike Hornauer

Auerbachs Keller – Buchmessebetrieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgenommen: am Donnerstag, 12. März 2020. So leer präsentierte sich hier schon Auerbachs Keller. Bekanntermaßen ist diese durch Goethes »Faust« zu Weltruhm gekommene Leipziger Lokalität allgemein ohnehin sehr gut besucht und zu Buchmessezeiten für gewöhnlich wahrhaft übervoll (wie vielen wurde hier schon freundlich die Tür gewiesen, die – wie lustig – spontan eine Platz oder gar einen Tisch haben wollten!). Zu diesem Zeitpunkt übrigens war die Buchmesse zwar bereits wegen Corona abgesagt, aber viele kleinere Veranstaltungen in und um Leipzig sollten noch stattfinden (sie lagen weit unter der damals noch erlaubten Größe). Sie kollabierten dann jedoch praktisch sämtlichst in den kommenden Stunden und Tagen. Es ist auch noch zu erwähnen: Auerbachs Keller war nicht ganz leer – rechts und links des fotografierten Ausschnittes sitzen noch sehr vereinzelt ein paar Gäste. Der Kellner hat also durchaus Grund, hier alltagsgeschäftig den Hauptgang zu queren. Und doch: ein so leerer Auerbachs Keller, und dies auch noch an einem Buchmesseabend (um gerade eben 22 Uhr), das ist schon ein im Wortsinne merkwürdiger Anblick.

© Jan-Eike Hornauer, München

 

Zu dieser Reihe: »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« ist eine Online-Sammlung zu den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise. Wir wollen im Gespräch bleiben, während wir Infektionsketten unterbrechen. Wir wollen die Erfahrung der Vereinzelung miteinander teilen. Wir wollen virtuelle Brücken bauen. Wir wollen das tun, was wir können: dichten, die Welt – und auch die aktuelle Situation – poetisch erfassen.

Unser Anliegen ist es in jedem Fall, zu einem Mehr an Besonnenheit beizutragen, zu versöhnen statt zu spalten. Mit Sorge sehen wir überharte Diskussionen, wie sie derzeit online, aber auch offline zu häufig geführt werden. Klar ist uns: Es gehört zu einer Demokratie dazu, Konflikte auszutragen. Aber wir insistieren auch hierauf: Es ist ebenso unerlässlich, sich des Gemeinsamen, Verbindenden bewusst zu sein und zu werden sowie respektvoll miteinander umzugehen.

Uns ist bewusst, dass bereits der Ansatz, zur Corona-Pandemie eine Lyrik-Online-Anthologie herauszugeben, ihre Auswirkungen zeitnah lyrisch zu behandeln, und dies aus verschiedenen Perspektiven sowie in unterschiedlichen Tonlagen, als Provokation aufgefasst werden kann. So ist diese Sammlung keineswegs gemeint. Ihr Thema an sich ist jedoch eben hochemotional besetzt. Für uns, die Herausgeber der Reihe, bleibt trotzdem und gerade deshalb wichtig: Wir wollen Brücken bauen, Perspektiven weiten, der ungewohnten Situation mit poetischen Mitteln und im gemeinschaftlichen Sinne begegnen.

Bleiben Sie gesund!

Alex Dreppec, Jan-Eike Hornauer, Fritz Deppert
 
PS: Alle bereits geposteten Folgen von »Lockdown-Lyrik! Quarantäne querdenken – etwas ernst zu nehmen heißt nicht, sich davon unterkriegen zu lassen« finden Sie hier. In loser, jedoch zügiger Folge wird die Sammlung erweitert.

 

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