Religion und Lyrik – Folge 58: »Apnoe«

Die begleitende Netz-Anthologie zu DAS GEDICHT 25,
zusammengestellt und ediert von Anton G. Leitner und José F. A. Oliver

 

Hendrik Rost

Apnoe

Seit meiner Taufe verstehe ich jedes Wort,
das die Welt an mich wendet oder gegen mich.
Es ist das, was keiner sagen kann. Ich halte

die Luft an und tauche in das Murmeln hinab,
das aus dem Hahn rauscht, ehe es in sich selbst
ertrinkt. Ein Strom einzelner, tropfender Namen,

zu dem ich mich rasiere. Dies Gesicht im Spiegel,
das immer wieder zuwuchert … du törichtes Tier.
Ich höre sie lallen: Habe, sei, werde. Die Gewalt,

die alles vernichtet, was etwas ist. Und das Wasser
rauscht. Denn jeder Tropfen sagt etwas anderes.
Das, was ist, flüsternd fließt es durch die Namen.
 

© Hendrik Rost, geboren 1969, lebt in Hamburg.
 

»Religion & Lyrik« im Archiv

DAS GEDICHT 25: Religion im Gedicht

Den Kernbestand neuer zeitgenössischer Lyrik rund um den Glauben versammelt
»DAS GEDICHT 25: Religion im Gedicht«,
herausgegeben von Anton G. Leitner und José F. A. Oliver

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