Zum Kreuz-in-alle-Behörden-Beschluss der CSU

von Jan-Eike Hornauer

Staat und Religion zu trennen,
ist in Deutschland schöne Pflicht;
Aufgeklärtheit lässt’s erkennen.
Nur in Bayern geht’s so nicht.

Kreuze drin im Klassenzimmer
war’n in Bayern stets normal.
Denn schon matter Gottes-Schimmer
nimmt der Schule jede Qual.

Und die Lehrkraft unterm Kreuze
predigt freilich manchmal schon
– voller Eifer, denn das freut se –
»säkular« und »isation«.

Glaubensfreiheit als Bekenntnis
unsres Landes gibt sie preis,
dem der Rückstand stetig fremd is,
wie man Gott sei Dank ja weiß.

Himmlisch ist’s beim Richter drinnen
überdies nach Bayern-Brauch:
Wahres Recht muss hier gewinnen,
denn das Kreuz, das hängt hier auch.

Ja, und was sich so bewährte,
wird nun freilich ausgedehnt;
da doch grad der Aufgeklärte
erst am Kreuz sich sicher wähnt.

Und die andren Religionen?
Sind im Grunde eh nicht da.
Denn es ist seit Jahr-Äonen
bayrisch nur, was bayrisch war.

Drum wird in den Ämterstuben
quasi Gott jetzt aufgehängt,
der im Geiste seines Buben
zeitgemäß den Staat dann lenkt.

Gottesfreistaat Land der Bayern,
glaube stets und glaub’ auch dies:
Niemals lässt es sich verschleiern,
du bist nah am Paradies!

 
© Jan-Eike Hornauer, München

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