Gedichte für Kinder – Folge 42: Sieben unveröffentlichte Kindergedichte von Andrea Schomburg

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Monster mögen Marmelade

Monster mögen Marmelade,
Monster mögen Currywurst,
Monster mögen Schokolade,
Apfelschorle für den Durst.

Monster mögen auch gern Schnecken,
altes Butterbrotpapier,
Stinkesocken, Mücken, Zecken
und gehacktes Trampeltier.

Monster mögen Bandwurmnudel,
ranzig-altes Schweinefett,
Spinnen, Kakerlakenstrudel
Mäusekötel, Madenmett.

Monster fressen auch Zylinder,
niemals aber, nie und nie,
niemals fressen Monster Kinder.
»Kinder?«, schrein die Monster. »Ihhh!«

»Kinder!«, schrein sie. »Bäh, wie eklig!
Kotz und würg! Igittigitt!
Grässlich! Widerlich! Unsäglich!
Das verdirbt den Appetit!«

Darum, wenn unter deinem Bett,
des Nachts die Monster lungern,
bring ihnen Wurst und Madenmett
und Stinkesock und Schweinefett,
damit sie nicht verhungern.

 

Gruschel

In meinem Bett, da ist ein Gruschel,
das beißt mir nachts ins Bein,
doch wenn ich mit der Mama kuschel,
dann traut es sich nicht rein.

 

Riesenkrokodil

Der Michael hat bei Erlangen
ein Riesenkrokodil gefangen.
Das wird er jetzt nach Haus bugsieren
und es im Hinterhof dressieren.
Es wird Karl-Otto Mühlmann heißen
und alle, die nicht nett sind, beißen:
zum Beispiel Kai und Tante Lin
und ganz bestimmt die Lehrerin …

 

Mattwoch, der 32. Miau

Herr Käsemeer wacht auf, es ist halb nein,
und durch das Finster lacht der Sonnenschein.
Heut ist ja Mattwoch, denkt Herr Käsemeer, ojoj!
Das ist ja puma, heute hab ich freu!

Er macht sich Schokomolch mit Haferflecken
und Heidelbärgelee mit Erdnassecken.
Er zieht die Tarnschuh an und auch den Schiel,
und Hundschuh nicht vergessen, es ist kühl.

Grasmutter sitzt auf ihrem Stiel vorm Haus,
Grußvater gräbt im Garten Raben aus
und auf dem Gartentisch liegt eine bunte Dicke.
Fern im Gebirge vor der Felsenzicke
da schwebt ein Edler ganz ganz hoch am Hammel.
Die Kirchturmglucke läutet mit Gebammel,
im Dorfteich schwimmt voll Majestät ein Schwein,
die Bohnen sammeln fleißig Honig ein.

Und nur der dunkle Wild ist schon seit Jahren
voll Ungehauern, Furchtbär und Gefahren.
Voll Leuchtsinn geht Herr K. jetzt querfeldein.
»Herr Käsemeer, piss auf! Nimm dich in Neun!«

Die Eile flügelt lautlos durch die Stille.
Der Ihi klaut dem Uhu seine Brülle,
Blondschleichen gibt es da und Klopperschlingen,
auch sieht man durch das Dünnicht Rohe springen.
»Herr Käsemeer! Iss nicht die Grizzlybeeren!
Auch Knallenblatterpilze nicht verzehren!«

Neun, sagt Herr Käsemeer, natürlich nicht, neun, neun!
Ich muss ja gleich bei meiner Mimi sein!
Die ist ganz bunt in ihrer Seifenbluse,
sie macht mir Wickelpudding mit Vanillesuse
und Himbärknuddel, wohl drei Toller voll.

So ist’s am 32. Miau. Wie toll!

 

Tante Schmitzchen

Tante Schmitzchen bäckt uns Plätzchen,
näht aus Fetzchen Kleckerlätzchen,
flitzt graziös durch kleine Pfützchen,
kann fast dreizehn Liegestützchen,
macht aus Samt- und Seidenfitzchen
für die Katze spitze Mützchen,
bastelt Ohrschmuck aus Lakritzchen,
sammelt bunte Kinkerlitzchen
und kennt an die tausend Witzchen.
Aber die erzählt Frau Schmitzchen
nur dem spritzigen Herrn Fritzchen.

 

Papperlapapp

Aus Papperla-Pappe
bau ich ein Haus
mit einer Klappe,
da guck ich raus.

Papperla-Pappi
darf auch mit rein,
Platz ist zwar knappi,
Haus ist ja klein.

Papperla-Mammi
schickt uns vom Rhein
ein Telegrammi:
»Zieh bei euch ein!«

Papperla-Pudel
bellt: »Das ist fein!
Ich und mein Rudel
passen noch rein!«

Aber da gnatzt es,
schnubbel-di-dutt,
papperla-platzt es
und ist kaputt.

Macht nix, war eh zu klein.
Baun wir uns ein
Papperla-Paddelboot,
noch vor dem Abendbrot
feuerrot, riesengroß
und paddeln los.

 

Wenn du im Garten leise bist

Wenn du im Garten leise bist,
kannst du es hören:
Wie sich die Mistkäfer auf dem Mist
ewige Treue schwören,
wie die Vögel überm Hügel ihre Flügel breiten,
wie die Gräser mit dem Rasenmäher streiten,
wie die Katzen mit den Tatzen kratzen,
wie die Spatzen Batzen schmatzen, bis sie platzen,
wie die Frösche ihre Wäsche waschen,
wie die Blüten Süßes aus den Tüten naschen,
wie die Engerlinge grell in ihren Gängen quengeln,
und die Glockenblumen sich auf ihren Stängeln drängeln,
wie die Läuse von den Mäusen mausen
und die Schwalbenschwestern in den Nestern hausen,
und du kannst sogar die Möhren röhren hören,
bloß ganz leise musst du sein, das musst du schwören!

 

© Andrea Schomburg

 
Andrea Schomburg – Biografie in Reimen:

Kind gewesen,
Gedichte gelesen,
gelernt sie im Husch
Ehrhardt und Busch,
Tucholsky, ratz-fatz
und Ringelnatz.
Lieder gesungen,
Balladen verschlungen,
dabei geblieben
und selber geschrieben.
Erst nur so zum Testen,
für Freunde, zu Festen…
Weiter geschrieben.
Ab 2007
Verlag interessiert,
Buch publiziert:
Lustig-extreme
Erwachsenenpoeme.
Noch mehrere Bände,
doch dann kam die Wende,
fiel mir, wie fein,
für Kinder was ein.
Prosa, Geschichten,
Quatsch in Gedichten,
Unsinn mit Soße
für Kleine und Große.
Und so geht’s bis heute.
Auf meiner Seite
steht, was ich geschrieben.
Willkommen, ihr Lieben!

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982) und »Der Alltag des Fortschritts« (1996). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, im Frühjahr 2018 die Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, die aus der Reihe »Gedichte für Kinder« hervorgegangen ist.

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.