Gedichte für Kinder – Folge 54: Sieben unveröffentlichte Kindergedichte von Thilo Mandelkow

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

 

Slalom aleikum

Heute Morgen musste ich
durch 17 Hundehaufen
– die mitten auf dem Gehweg lagen –
Schlangenlinien laufen.

 

Der Pulli

Meine Mami ruft begeistert:
„Ist der Pulli nichts für Dich?“
Stülpt ihn mir von oben drüber
und ich stammel: „Eher nich‘ …“

 

Blühende Landschaften

Am Wegesrand ein Blümelein,
das duftet wunderschön.
Es blüht ganz farbig vor sich hin
in Sonnengelb und Grün.

Es steht dort und genießt die Zeit,
die Sonne und die Welt,
bis plötzelich – mit einem Mal –
ein Hundchen an ihm hält.

Es schnuppert, schaut, schnuppert erneut
und dann – mit einem Mal –
da trifft das kleine Blümelein
ein ziemlich harter Strahl!

Am Wegesrand ein Blümelein,
das duftet nach Urin.
Es blüht dort stinkend vor sich hin
in Pipigelb und Grün.

 

Versteckspiel

1
2
3
4
5
6
7
Wo sind alle bloß geblieben?
8 und
9 und dann die
10

Mir doch wurscht!
Auf Wiedersehn!

 

Aber nein, Frau Lehrerin!

Ganz sicher habe ich das im Kopf gerechnet!
Sehen Sie: Keine Rechnungen auf dem Papier!
Und mit den Fingern rechne ich doch nicht!
Also wirklich!
Ich bin doch schon groß!
Haben Sie mich etwa mit den Fingern rechnen sehen?
Nein?
Ha!
Geht ja auch gar nicht!
Die sind ja in meinen Hosentaschen!

Okay.
Ja.
Ich habe meine Finger zur Hilfe genommen.
Aber ich hab nicht draufgeguckt!
Ich kann sie ja auch nicht sehen.
Sind ja in der Hose …

Ja.
Okay.
Ich gebe es zu:
Ich bin ein Taschenrechner …

 

In Teufels Küche

Hunger zieht mich dann und wann
in mein Lieblingsrestaurant.
„Teufelszeug“, heißt das Lokal
und schmecken tut’s phänomenal.
Höllisch heiß wird dort gekocht.
Hab das immer schon gemocht.
Mein Leibgericht ist Satansbraten,
gibt’s ihn, kann ich‘s kaum erwarten –
zum Dessert dann Götterspeise.
Speichel tropft zu Boden leise.

 

Die Geschichte der fünf Fischgeschwister Zip, Zap, Zep, Zop und Zup und wie sie versuchten, sich aus dem Fischernetz zu befreien

Zip zappelte.
Zap zeppelte.
Zep zoppelte.
Zop zuppelte.
Zup zippelte.

 

© Thilo Mandelkow

 

 

Thilo Mandelkow wurde in Schleswig geboren und hat in Kiel studiert. Er lebt in der Region Angeln und arbeitet dort als Lehrer. Wenn er sich nicht mit schulischen Dingen beschäftigt, beschäftigt er sich gern mit Zeichnen und lässt bunte Bilder entstehen. Manchmal reizen ihn die Bilder, Texte entstehen zu lassen. Und manchmal reizen ihn seine Texte, Bilder entstehen zu lassen. Mal so, mal so. Angefangen hat er damit einst, um in einer langweiligen Vorlesung nicht einzuschlafen. Ob ein Gedicht ein Kindergedicht wird oder eher eines für erwachsene Ohren, entscheidet sich häufig erst, wenn es schon fertig ist. Woran genau man es festmachen kann, ob die geschwungenen Worte eher für das eine oder andere Publikum gemacht sind, ist ihm nicht immer ganz klar. Und eigentlich ist es ihm auch ein bisschen egal. Hauptsache es macht Spaß! – und lustige Zeilen (gerne auch gereimt) bereiten ihm nun mal ganz besondere Freude.

 

 

 

 

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982), »Der Alltag des Fortschritts« (1996) und »Die Muße der Mäuse« (2018). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, im Frühjahr 2018 die Anthologie »Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht« bei dtv Junior, die aus der Reihe »Gedichte für Kinder« hervorgegangen ist.

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.