Gedichte für Kinder – Folge 58: Sechs unveröffentlichte Kindergedichte von Felix Schröter

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Minikrimi

Eine stolze, blaue Taube
fliegt ins Gärtchen vor der Laube
und denkt für sich:
Ich freue mich.

Schreitet selig durch das Gras,
pickt vom Tau ein bisschen was,
denkt nicht an den Kater Peter,
doch der lauert ein paar Meter
weiter in der Hecke
hinter einer Mauerecke.

Plant genau die böse Tat,
schleicht geduckt auf schmalem Pfad
und setzt an zum Sprung –
Achtung!
knurrt der Haushund Knut.
Du vergiesst kein Taubenblut!

Und die stolze, blaue Taube
fliegt verängstigt auf die Laube.

 

Spatz und Specht

Ein Spatz und ein Specht,
die tschilpen und klopfen
und verstehen sich schlecht.

Sagt der Specht zum Spatz:
Hör auf zu tschilpen,
ich versteh keinen Satz.

Gibt der Spatz zurück:
Hör auf zu klopfen,
ich verstehe kein Stück.

Was für ein Glück!

 

Die Wörter

Wo kommen die Worte her?
Ja, wenn ich das wüsste,
dann müsste ich nie mehr suchen,
dann fielen sie mir ein,
dann liessen sie sich fangen,
dann wanderten sie von der Tastatur
in den Text, ganz von allein,
diese verflixten, widerborstigen Wörter,
die in meinem Kopf herumschwirren,
mit mir Katz und Maus spielen
Punkt

 

Eine Laune

Eine Laune
stand an einer Strassenecke
und hoffte,
dass sie endlich wer entdecke.

Sie launte
griesgrämig an der Wand
und fand es allerhand,
dass sich niemand auf sie stürzte
und so ihr die Zeit verkürzte.

Erst am Abend fasste sie Mut
und krallte sich
an den Ohrring von Lisa Gut.

Von dort hätte sie gerne
Lisa schlechte Laune gemacht.
Denkste, meinte diese
und hat laut gelacht.

 

Die Hauskatze

Eine Katze
schwarz wie die Nacht
hat sich nach
Honolulu aufgemacht.

In Hamburg schlich sie
in ein grosses Glitzerhaus
und fand dort
nicht mehr raus.

Nach Honolulu
kam sie nie,
doch wurde sie
die Hauskatze der Elbphilharmonie.

 

Pass auf

Ein Krokodil schwimmt
durch die Nacht.
Ich hab’s ihm beigebracht.
Gefressen hat es schon ein Gnu,
du kommst als nächstes
noch dazu.

 

© Felix Schröter

 

 

Felix Schröter, in Basel geboren, lebt seit über dreißig Jahren in Elgg bei Winterthur. Nach Jahren als Volksschullehrer arbeitet er heute als Heilpädagoge und Therapeut gegen Legasthenie und besitzt seit fünf Jahren eine eigene Therapiepraxis. Irgendwann begann er auch für Kinder zu schreiben, darunter einen Bärenkrimi und den Roman »Bärenfieber« (2006). Seit ein paar Jahren beschäftigt er sich sehr mit Gedichten und Reimen. Seine Vorbilder waren zunächst die Basler Schnitzelbänkler, die ihre Verse in der Fasnacht vortragen. Vor zwei Jahren schrieb er die ersten sogenannten Windgedichte, die inzwischen auf mehr als fünfzig angewachsen sind. Nun sucht er für seine Kindergedichte einen Verlag, damit Kinder (und Erwachsene) seine Texte finden und lesen können.

 

 

 

 

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982), »Der Alltag des Fortschritts« (1996) und »Die Muße der Mäuse« (2018). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, im Frühjahr 2018 die Anthologie »Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht« bei dtv Junior, die aus der Reihe »Gedichte für Kinder« hervorgegangen ist.

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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