Gedichte für Kinder – Folge 69: Sieben unveröffentlichte Gedichte von Erwin Grosche

Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert jeweils am 10. eines Monats auf DAS GEDICHT blog faszinierende Kindergedicht-Autoren mit ihren vielfältigen Spielarten der Kinderpoesie. Denn das Kindergedicht soll lebendig bleiben – damit aus jungen Gedichtlesern neugierige Erwachsene werden, die sich an die Klänge und Bilder der Poesie erinnern, statt an die Last der didaktischen Lyrikinterpretation.

 

Neue Feiertage

Es gibt den Tag des Schenkens,
der ist so wunderbar:
Der Tag des Kopfverrenkens
ist einmal nur im Jahr.

Es gibt den Tag des Pustens,
der pustet jeden um,
gleich nach dem Tag des Hustens;
Hatschi, der Tag ist rum.

Es gibt den Tag des Weinens,
da weint man stundenlang.
Am Tag des Sonnenscheinens,
da wird man sonnenkrank.

Kennst du den Tag des Lachens?
Da lauscht man jedem Scherz.
Schlaf nicht am Tag des Wachens,
und der ist dann im März.

Am Tage des Vergessens
vergisst man ihn sofort.
Es gibt den Tag des Essens,
danach treibt man dann Sport

 

 

Das Versteck

Aus meinem Versteck
da geh ich nicht weg
da geh ich nicht raus
aus dem Haus

Für meinen Verschlag
hab ich ‘nen Vertrag
da darf nur herein
ich allein

In dem kleinen Loch
da wohne ich doch
kein Mensch und kein Tier
sind bei mir

 

 

Vorsicht Stufe
Warnschilder

Vorsicht Leiter
Vorsicht Tiger
Vorsicht Reiter
Vorsicht Flieger

Vorsicht Pauke
Vorsicht Kinder
Vorsicht Frauke
Vorsicht Rinder

Vorsicht Blitze
Vorsicht Hagel
Vorsicht Witze
Vorsicht Nagel

Vorsicht Trecker
Vorsicht Kleister
Vorsicht lecker
Vorsicht Geister

 

 

Die Schwüle

Die Schwüle schwült so schwül umher
so schwül, so schwül
ich denk an nichts, mein Kopf ist leer
so schwül ist es, so schwül

Die Schwüle schwült so schwül umher
so schwül, so schwül
wo krieg ich ein Glas Wasser her
so schwül ist es, so schwül

Die Schwüle schwült so schwül umher
so schwül, so schwül
ich schwitze wie ein Bär so sehr
so schwül ist es, so schwül

Die Schwüle schwült so schwül umher
so schwül, so schwül
da kommt gleich ein Gewitter her
so schwül ist es, so schwül

Die Schwüle schwült so schwül umher
so schwül, so schwül
ich lieg im Bad und träum vom Meer
so kühl ist es, so kühl

 

 

Der Riese Karl-Peter

Der Riese Karl-Peter
wuchs 2 Zentimeter
wuchs 3 Zentimeter
und dann immer mehr

Der Riese Karl-Peter
wuchs 4 Zentimeter
wuchs 5 Zentimeter
und wurde ganz schwer

Der Riese Karl-Peter
wuchs 6 Zentimeter
wuchs 8 Zentimeter
und dann immer mehr

Der Riese Karl-Peter
beklagte sich später
nun passen ihm seine
Pullover nicht mehr

 

 

Der Elefant hat Durchfall

Vorne
Rüssel,
hinten
Schüssel

PLATSCH!

 

 

Hase und Igel

Beim Wettlauf zwischen Hase und Igel
gewann den Schokoladenriegel
der … Igel

Noch mal!

 

© Erwin Grosche

 

Erwin Grosche schreibt Kinderlyrik, weil die Gedichte, die ihm einfallen, vor allem von Kindern verstanden werden. Er wurde um den 25. November herum in Berge geboren. Noch immer ist das genaue Datum seiner Geburt ungeklärt. Während seine Mutter immer betonte, dass er am 24. November geboren wurde, gab der Vater dem Standesamt den 25. November als Geburtstermin an. Im WDR Kinderradio gab es eine Zeitlang die „Erwin-Gedichte“, eine neue Gattungsbezeichnung für Kindergedichte, die man nicht so ernst nehmen sollte. In dem Verleger Hans-Joachim Gelberg fand er früh einen Förderer seiner Kunst. In dessen Sammlungen aufzutauchen, bedeutete ihm immer viel. Manche seiner Gedichte muss man vorspielen, andere sollte man ruhen lassen. Heute wohnt Erwin Grosche in seiner Traumstadt Paderborn, in der seine Gedichte und Geschichten entstehen und spielen. Er läuft manchmal weg und kommt dann irgendwann wieder, ohne sich zu erinnern, wo er gewesen war. Seinen größten Erfolg erlebte er 2010 im Kampf um das Tigerbrötchen, welches aktuell wieder in der Bäckerei Hermisch (Südstadt) angeboten wird. Ein Tigerbrötchen macht „Grrrr“, wenn man hineinbeißt. Erwin Grosche sagt „Danke“, wenn man ihn drückt.

 

Uwe-Michael Gutzschhahn

 

 

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn. Foto: Volker Derlath

Uwe-Michael Gutzschhahn, Jg. 1952, lebt in München und hat an der Universität Bochum über den Lyriker Christoph Meckel promoviert. Seit 1978 hat er zahlreiche eigene Gedichtbände veröffentlicht, u. a. »Fahrradklingel« (1979), »Das Leichtsein verlieren« (1982), »Der Alltag des Fortschritts« (1996) und »Die Muße der Mäuse« (2018). Zwischen 1988 und 1991 gab er die 12-bändige Kinder-Taschenbuchreihe »RTB Gedichte« mit Texten u. a. von Ernst Jandl, Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch heraus. 2003 folgte die Anthologie »Ich liebe dich wie Apfelmus«, die er mit Amelie Fried zusammenstellte und die gerade in einer Neuausgabe wiederaufgelegt wurde. Sein erster eigener Kindergedichtband folgte 2012 unter dem Titel »Unsinn lässt grüßen«. Und im Herbst 2015 erschien seine große Nonsenslyrik-Anthologie »Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her«, im Frühjahr 2018 die Anthologie »Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht« bei dtv Junior, die aus der Reihe »Gedichte für Kinder« hervorgegangen ist.

Alle bereits erschienenen Folgen von »Gedichte für Kinder« finden Sie hier.

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