Gedichte mit Tradition, Folge 157: »Sah ein Schwab ein Mädchen gehn«

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer

 

Jan Causa

Sah ein Schwab ein Mädchen gehn

Sah ein Schwab ein Mädchen gehn,
Mädchen zum Verlieben,
glitzernd, zart und rosenschön,
ging ihm nach, es anzusehn,
sein Herz schlug nur noch drüben.
Mädchen, Mädchen, Mädchen blond,
Mädchen zum Verlieben.

Der Schwabe sprach: »Dai Auga sind wie Feir,
Mädcha zom Verlieba.«
Das Mädchen sprach: »Sag, wer bisch du?
Was haschd du ufm Schbarbuch?
I mog Schmugg ond goile Klamodda.«
Mädchen, Mädchen, Mädchen blond,
Mädchen zum Verlieben.

Und der smarte Schwabe sprach
zum Mädchen zum Verlieben:
»I bin Dichdr, Dichdr bin i.«
Das Mädchen drehte auf und schrie:
»Frächs Birschle, meinschd, i bin inkondinend?«
Mädchen, Mädchen, Mädchen blond,
Mädchen zum Verlieben?

 

© Ingo Wachtmeister, Iserlohn
 

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Gedichte mit Tradition»Gedichte mit Tradition« im Archiv

Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.

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