Im babylonischen Süden der Lyrik – FOLGE 51: »›IN DEN WIND SÄEN‹ (ZLATKO KRASNI) – ERINNERUNGEN AN DEN FREUND, DICHTER UND ÜBERSETZER«

Tobias Burghardt flaniert jeweils am 5. eines Monats auf DAS GEDICHT blog durch die südlichen Gefilde der Weltpoesie. In der Rubrik »Im babylonischen Süden der Lyrik« werden Sprachgemarkungen überschritten und aktuelle Räume der poetischen Peripherien, die innovative Mittelpunkte bilden, vorgestellt.

 

Zlatko Krasni war über Jahrzehnte die übersetzerische Stimme der deutschsprachigen Lyrik und Literatur ins vormals Serbokroatische und dann Serbische, ein unermüdlicher Vermittler und passionierter Fürsprecher deutscher, österreichischer und schweizerischer Autorinnen und Autoren. Seinerseits schrieb er seine eigenen, sehr formbewussten Gedichte und auch brillanten Essays, etwa den prämierten Essayband »O melanholiji evropskog intelektualca« (1997; dt.: Die Melancholie eines europäischen Intellektuellen).

Geboren 1951 in Sarajevo, dort und im schweizerischen Montreux, im westfälischen Hamm und im montenegrinischen Herceg Novi aufgewachsen, studierte er Germanistik in der äthiopischen Metropole Addis Abeba, in Belgrad und Berlin. Danach lebte, dichtete, lehrte, schrieb und übersetzte er bis zu seinem Tod Ende Oktober 2008 in der südosteuropäischen Kapitale Belgrad. Im nahegelegenen Smederevo gibt es seither zum jährlichen Dichterherbst-Festival den internationalen »Zlatko Krasni-Lyrikpreis«.

 

Serbischer Dichter und Übersetzer Zlatko Krasni

Zlatko Krasni

Der Dichter Zlatko Krasni mit seinem Sohn Jan

Zlatko Krasni mit seinem Sohn Jan (alle Fotos: Tobias Burghardt, Stuttgart)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zlatko-Krasni moderiert eine internationale Lyriklesung mit dem argentinisch-jüdischen Dichter Alberto Szpunberg im Belgrader Künstlerviertel

Zlatko-Krasni moderiert eine internationale Lyriklesung mit dem argentinisch-jüdischen Dichter Alberto Szpunberg im Belgrader Künstlerviertel

 

 

Die Grabstele des serbischen Dichters und Übersetzers Zlatko Krasni in Belgrad

Die Grabstele des serbischen Dichters und Übersetzers Zlatko Krasni in Belgrad

 

 

 

 

Ende August besuchten wir seine Witwe Slavica und seine letzte Ruhestätte im Familiengrab. Unvergessen bleibt seine vertraute Stimme, sein Lächeln, seine innige Freude am Leben, sein luzider Blick, seine guten Verse, sein poetisches Werk und Wirken. Glücklich dürfen sich diejenigen schätzen, die ihn kennengelernt haben.

 

 

 

Tobias Burghardt

Jetzt

in den Wind säen
Zlatko Krasni

Eine Cigareta nur – und wir ersinnen
masseldicke Momente am Wasser,
an Ufern, die zu Glut werden:
in Worten, auf Schwären,
manchmalig Wink;
noch einen Zug –
denn wir glühen hinaus & hinein in die Ferne
der verdoppelten Jahreszeiten:
was einst – wenn einst,
so sagen wir nun niemals nicht.
Immerhin
klingt doch die Stimme fort.

 

© Tobias Burghardt

 

"Die Elemente der See" von Tobias Burghardt

Buchcover-Abbildung (Edition Delta)

 

 

 

 

 

 

 

»Jetzt« in: »Die Elemente der See«
von Tobias Burghardt
bei Edition Delta

 

 

 

 

Tobias Burghardt. Foto: privat

Tobias Burghardt. Foto: privat

Tobias Burghardt (Jahrgang 1961) ist Lyriker, Übersetzer und Verleger der Stuttgarter Edition Delta (www.edition-delta.de). Er veröffentlichte mehrere Lyrikbände, darunter seine Fluss-Trilogie sowie »Septembererde & August-Alphabet«. Zuletzt erschien seine Werkauswahl »Mitlesebuch 117« (Aphaia Verlag, Berlin/München 2018) und sein aktueller Gedichtband »Die Elemente der See«. Seine Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und Einzeltitel erschienen in Argentinien, im Irak, in Japan, Kolumbien, Portugal, Serbien, Schweden, Uruguay und Venezuela. Er ist Mitbegründer und Koordinator des »Babylon Festivals für Internationale Kulturen & Künste«, das seit 2012 jährlich in Babylon und Bagdad stattfindet. Mit seiner Frau Juana Burghardt überträgt er lateinamerikanische Lyrik, katalanische Poesie, lusophone Lyrik und spanische Poesie. Sie sind Herausgeber und Übersetzer der Werkreihe von Miquel Martí i Pol, aus der Pep Guardiola im Sommer 2015 im Literaturhaus München las, und seit Herbst 2014 der Stuttgarter Juarroz-Werkausgabe, dem wir das GEDICHT-Motto »Ein Gedicht rettet einen Tag« (Roberto Juarroz) verdanken. Im Frühjahr 2017 wurden beide für ihr jeweiliges poetisches Werk und ihr gemeinsames literarisches Engagement zwischen den Kulturen und Sprachen mit dem Internationalen KATHAK-Literaturpreis in der südasiatischen Metropole Dhaka, Bangladesch, ausgezeichnet. Tobias Burghardt war GEDICHT-Redakteur der ersten Stunde und organisierte immer wieder wunderbare Sonderteile mit lateinamerikanischer Poesie für unsere Zeitschrift DAS GEDICHT.
Alle bereits erschienenen Folgen von »Im babylonischen Süden der Lyrik« finden Sie hier.

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