Im babylonischen Süden der Lyrik – FOLGE 60: »30. INTERNATIONALES POESIEFESTIVAL 2020 IN MEDELLÍN (KOLUMBIEN) – ›LA LUZ, BRÓDER, LA LUZ‹«

Tobias Burghardt flaniert jeweils am 5. eines Monats auf DAS GEDICHT blog durch die südlichen Gefilde der Weltpoesie. In der Rubrik »Im babylonischen Süden der Lyrik« werden Sprachgemarkungen überschritten und aktuelle Räume der poetischen Peripherien, die innovative Mittelpunkte bilden, vorgestellt.

 

»Ein Haus wird der Turm von Babel immer sein«

Sigfredo Ariel (1962-2020)

 

Festivalplakat Medellín

Festivalplakat Medellín mit allen DichterInnen 2020

 

Am 1. August 2020 startete das »30o Festival Internacional de Poesía en Medellín«  mit einer vierstündigen Eröffnungsfeier. Es lasen Paul Muldoon (Irland), Charles Simic (Serbien/USA), TJ Dema (Botswana), Ayo Ayoola-Amale (Nigeria), Claudio Willer (Brasilien), Rómulo Bustos (Kolumbien), Adam Zagajewski (Polen), Ramiz Rovshan (Aserbaidschan)Jidi Majia (China).

Festivaleröffnung am 1. August 2020 in Medellín

Festivaleröffnung am 1. August 2020 in Medellín

 

Das größte Weltpoesiefestival – Matrix und Inspirationsquelle unzähliger Internationaler Poesiefestival auf allen Kontinenten – in seinem dreißigsten Jubiläumsjahr wird an insgesamt 70 fortlaufenden Tagen bis zur Abschlusslesung am 10. Oktober 2020 andauern.

Aus gegebenem Anlass umfasst das vollständige Festivalprogramm insgesamt 135 Online-Festivalveranstaltungen via Livestream – sowohl auf YouTube als auch Facebook – mit annähernd 200 Dichter:innen aus 103 Ländern weltweit.

Festivalplakat Medellín 2020

Festivalplakat Medellín 2020

 

Schon bei der Eröffnungsfeier am 1. August 2020 waren über 30.000 zuschauende Lyrikhörende über die diversen Streaming-Kanäle live aus über 100 Ländern dabei, wie der Festivalleiter, der kolumbianische Dichter Fernando Rendón, mitteilte, zu denen sich in den Folgetagen und -wochen etliche mehr hinzugesellen werden – ein historisches Poesieereignis.

„Prometeo“, No. 113-114

„Prometeo“, No. 113-114, das Cover des Festivalbuches 2020 (alle Fotos: Prometeo, Medellín)

Pünktlich zum Poesiefestivalauftakt erschien die 734 Seiten starke, enzyklopädische Doppelausgabe 113-114 der veranstaltenden lateinamerikanischen Poesiezeitschrift »Prometeo« mit einem Gemälde des kolumbianischen Künstlers Pedro Ruiz.

Dem faszinierenden und stets aktuellen Lyriktrend Lateinamerikas widmeten wir bereits 1996 ein umfassendes Schwerpunktheft im Rowohlt-»Literaturmagazin« 38: »Nueva Poesía América Latina – Neue lateinamerikanischen Poesie«. Aus Deutschland nahmen im Gefolge weitere siebzehn Dichter:innen am Weltpoesiefest in Medellín – in Kooperation mit dem Goethe-Institut Bogotá und seiner Zentrale in München – teil, darunter Gerhard Falkner, Esther Dischereit, Michael Speier, Elke Erb, Joachim Sartorius, Monika Rinck oder Hans Magnus Enzensberger, um nur einige zu nennen.

 

Alle kehrten tief beeindruckt und begeistert von jenem äußerst ungewöhnlichen Poesieereignis zurück, dessen Intensität, Nachhaltigkeit und Qualität poetischen Erlebens bemerkens- und bewundernswert ist: »und es wird bleiben das Licht, Broder, das Licht, / und nichts anderes.« (Sigfredo Ariel)

 

y quedará la luz, bróder, la luz,
y no otra cosa.

Sigfredo Ariel

 

 

Tobias Burghardt. Foto: privat

Tobias Burghardt. Foto: privat

Tobias Burghardt (Jahrgang 1961) ist Lyriker, Übersetzer und Verleger der Stuttgarter Edition Delta (www.edition-delta.de). Er veröffentlichte mehrere Lyrikbände, darunter seine Fluss-Trilogie sowie »Septembererde & August-Alphabet«. Zuletzt erschien seine Werkauswahl »Mitlesebuch 117« (Aphaia Verlag, Berlin/München 2018) und sein aktueller Gedichtband »Die Elemente der See«. Seine Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und Einzeltitel erschienen in Argentinien, im Irak, in Japan, Kolumbien, Portugal, Serbien, Schweden, Uruguay und Venezuela. Er ist Mitbegründer und Koordinator des »Babylon Festivals für Internationale Kulturen & Künste«, das seit 2012 jährlich in Babylon und Bagdad stattfindet. Mit seiner Frau Juana Burghardt überträgt er lateinamerikanische Lyrik, katalanische Poesie, lusophone Lyrik und spanische Poesie. Sie sind Herausgeber und Übersetzer der Werkreihe von Miquel Martí i Pol, aus der Pep Guardiola im Sommer 2015 im Literaturhaus München las, und seit Herbst 2014 der Stuttgarter Juarroz-Werkausgabe, dem wir das GEDICHT-Motto »Ein Gedicht rettet einen Tag« (Roberto Juarroz) verdanken. Im Frühjahr 2017 wurden beide für ihr jeweiliges poetisches Werk und ihr gemeinsames literarisches Engagement zwischen den Kulturen und Sprachen mit dem Internationalen KATHAK-Literaturpreis in der südasiatischen Metropole Dhaka, Bangladesch, ausgezeichnet. Tobias Burghardt war GEDICHT-Redakteur der ersten Stunde und organisierte immer wieder wunderbare Sonderteile mit lateinamerikanischer Poesie für unsere Zeitschrift DAS GEDICHT.
Alle bereits erschienenen Folgen von »Im babylonischen Süden der Lyrik« finden Sie hier.

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