Melanie am Letzten – Folge 45: Brautschauproblematik

Es ist ein Wahnsinn, ein Irrsinn und nicht selten ein Blödsinn: So geht es zu im Tollhaus Welt. Der Mensch neigt zu seltsamen Verhaltensweisen, die schockieren, alarmieren oder amüsieren können. Was hilft zu guter Letzt? Die Poesie. Nicht ärgern, stänkern oder meckern, sondern dichten – meint die schwarzhumorige Poetin Melanie Arzenheimer und kommentiert die Deadlines des Lebens jeweils am Monatsende auf DAS GEDICHT blog.

 

Die Ekstase ist abgeflaut. Die Menschheit wendet sich wieder den Dingen zu, die sie am liebsten macht: sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Aber für kurze Zeit, da beherrschte das royale Paar aus Großbritannien – Sie wissen schon, Meghan und Harry – die Nachrichten, die Presse (sogar die mit Feuilleton) und natürlich die sozialen Medien. Was für ein Gedöns! Und dann die vielen Experten, die drum herum jede Naht in der Strumpfhose der Braut analysierten und zu jeder Hutträgerin die komplette Lebensgeschichte servierten. Datenschutz? Gilt nicht für Gäste einer royalen Hochzeit. Und vermutlich wurde der Hochzeitstermin auch vor den 25. Mai gelegt, damit man nicht in die neuen, strengeren Datenschutzregeln der EU fällt. Blöd, dass man überhaupt noch in der EU ist. Und noch blöder, dass die Regeln für den europäischen Wirtschaftsraum gelten – also auch für Länder ohne EU Mitgliedschaft. Die Schweizer weinen jetzt noch. Das haben die Kommentatoren der königlichen Hochzeit in Windsor auch gemacht. Vermutlich waren sie sich bewusst, dass es jetzt 20 Jahre dauern kann, bis sie wieder solche Einschaltquoten erreichen. Wenn überhaupt. Das Ja-Wort von Prince George (bald fünf Jahre) wird womöglich nur noch über facebook live übertragen. Fernsehen gibt’s dann gar nicht mehr und den Kommentatoren-Ton kann man (hoffentlich) mit einem Klick weg schalten.

Was sich vermutlich nicht ändern wird, ist die Suche nach der einen. Der wahren Liebe. Der Traumfrau für den Traumprinzen. Das machte schon immer Probleme, nicht erst seit der britische König Edward VIII wegen seiner Wallis Simpson abdanken musste.

 

Brautschauproblematik eines Märchenprinzen

Rapunzel?
Friseurkosten zu hoch.
Prinzessin auf der Erbse?
Zu sensibel.
Dornröschen?
Stichelt ständig.
Schneewittchen?
Ich bitte Sie – kein Gruppensex!
Aschenputtel?
Minderwertgkeitskomplexe.

dann bleibt nur noch die Knusperhexe
 

© Melanie Arzenheimer, Eichstätt

 

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

»Melanie am Letzten« wird Ihnen von Melanie Arzenheimer präsentiert. Sie wurde 1972 in Eichstätt / Bayern geboren, wo sie heute noch wohnt. Melanie Arzenheimer arbeitet als Chefredakteurin bei der espresso Mediengruppe Ingolstadt, sowie als freiberufliche Hörfunkmoderatorin.
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Alle bereits erschienenen Folgen von »Melanie am Letzten« finden Sie hier.

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