Melanie am Letzten – Folge 49: Geflügelpoesie

Es ist ein Wahnsinn, ein Irrsinn und nicht selten ein Blödsinn: So geht es zu im Tollhaus Welt. Der Mensch neigt zu seltsamen Verhaltensweisen, die schockieren, alarmieren oder amüsieren können. Was hilft zu guter Letzt? Die Poesie. Nicht ärgern, stänkern oder meckern, sondern dichten – meint die schwarzhumorige Poetin Melanie Arzenheimer und kommentiert die Deadlines des Lebens jeweils am Monatsende auf DAS GEDICHT blog.

 

Der Mensch und seine Gedankengänge. Eine Kombination, die einem zu denken geben sollte. Und hin und wieder denkt man sich so durch die Welt und stößt dabei auf interessante, kaum durchdachte Phänomene. Ein solches, wenig beachtetes Phänomen ist die Beziehung von Vögeln und Alkohol. (Es sind natürlich die Tiere gemeint. Beim menschlichen Fortpflanzungsakt, der gelegentlich auch diese Bezeichnung trägt, stehen die Aufnahme von alkoholhaltigen Getränken und eben diese intime Prozedur durchaus in einem Zusammenhang.)

Wir wenden uns aber der ornithologischen Betrachtungsweise zu und fragen uns: Warum gibt es eine Schnapsdrossel, aber keine Schnapsmeise, wenn man doch von recht viel Alkohol eher eine Meise bekommt als eine Drossel? Einen Fink könnte man noch ins Spiel bringen, aber der ist eher als Schmutzfink eine Berühmtheit, weniger als Schnapsfink. Einen Schnapsspecht gibt es auch nicht, ebenso wenig einen Schmutzspecht, dafür aber den legendären Schluckspecht. Dieser wiederum bildet eine eigene Spezies im Bereich des trinkfreudigen Federviehs. Aber Vorsicht! Nicht alles, was nach Geflügel klingt, ist auch ein Geflügel: Der Zapfhahn, der aktuell auf diversen Besäufnis-Veranstaltungen gerade in Bayern omnipräsent erscheint, hat gar keine Federn!

Daher nun zwei Gedichte aus der Kategorie Geflügelpoesie:

Federn lassen

Der Traum
vom Fliegen
abrupt
an einer
Windschutzscheibe
geplatzt

 

Verfolgtes Gefieder

Komischer Kauz
dachte sich die
Nachteule

Der klebt an mir
wie ein
Uhu

 

© Melanie Arzenheimer, Eichstätt

 

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

»Melanie am Letzten« wird Ihnen von Melanie Arzenheimer präsentiert. Sie wurde 1972 in Eichstätt / Bayern geboren, wo sie heute noch wohnt. Melanie Arzenheimer arbeitet als Chefredakteurin bei der espresso Mediengruppe Ingolstadt, sowie als freiberufliche Hörfunkmoderatorin.
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Alle bereits erschienenen Folgen von »Melanie am Letzten« finden Sie hier.

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