Melanie am Letzten – Folge 65: Das Britische an Bayern

Es ist ein Wahnsinn, ein Irrsinn und nicht selten ein Blödsinn: So geht es zu im Tollhaus Welt. Der Mensch neigt zu seltsamen Verhaltensweisen, die schockieren, alarmieren oder amüsieren können. Was hilft zu guter Letzt? Die Poesie. Nicht ärgern, stänkern oder meckern, sondern dichten – meint die schwarzhumorige Poetin Melanie Arzenheimer und kommentiert die Deadlines des Lebens jeweils am Monatsende auf DAS GEDICHT blog.

 

Und raus sind sie. Die Briten. Weniger die Schotten. Dafür ganz deutlich die Waliser. Was sich auf dieser Insel jenseits des Ärmelkanals abspielt, war für den Festlandeuropäer schon immer etwas seltsam. Dieser Linksverkehr zum Beispiel. Oder das ständige sich entschuldigen. Für den EU-Austritt entschuldigt sich dafür keiner. Na ja, Schwamm drüber.

Kramen wir lieber in der Geschichte und stellen fest, dass Menschen von drüben (also von der Insel, nicht der Ostzone…was Sie wieder denken!) und Menschen von hier schon immer eine besondere Beziehung hatten. Als Beispiel diene dafür meine Heimatstadt Eichstätt, die um das Jahr 745 zum Bischofssitz wurde. Und jener erste Bischof Willibald war kein Bayer, nicht mal ein Deutscher, sondern ein Angelsache, der im südenglischen Wessex geboren wurde und dort in einem Kloster in Bishop´s Waltham erzogen worden ist. Zusammen mit seiner Schwester Walburga und seinem Bruder Wunibald – natürlich auch alles Angelsachsen – gelangte er schließlich nach Bayern, wo sich alle drei nieder ließen, Klöster gründeten und heilig gesprochen wurden. Bis heute ist der urbayerische Vorname „Walli“ also ein angelsächsischer Import.

Aber weil das den „Erben“ Willibalds noch nicht „britisch“ genug war, gelangten irgendwann sogar die drei englischen Löwen in das Wappen des Eichstätter Domkapitels. Angeblich sei Willibald adeliger Herkunft gewesen und sein Vater Richard sogar ein König. Bewiesen ist da freilich nichts, aber wenn die englische Fußballnationalmannschaft mit ihren „Three Lions“ auf der Brust die Nationalhymne singt, dann könnte das ein Eichstätter Domkapitular auch tun. Nur die Hymne wäre eine andere. Und eigentlich sind es auch keine Löwen, sondern Leoparden – das gilt allerdings für das Eichstätter Wappen genauso wie für das Wappen Englands. Sogar in der Fehl-Interpretation des Getiers ist man auf einer Wellenlänge. Erstaunlich, oder?

Vielleicht besuchen gerade die Bayern deshalb so gerne diese seltsame Insel mit ihren seltsamen Bewohnern. Weil sie eine historische Verbindung spüren. Also, nicht alle tun das…

 

Ein Bayer
im British Museum

Einmal rum
um das Trumm

Drinnen:
schlimmer!

Noch mehr
Trümmer

 

© Melanie Arzenheimer, Eichstätt

 

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

»Melanie am Letzten« wird Ihnen von Melanie Arzenheimer präsentiert. Sie wurde 1972 in Eichstätt / Bayern geboren, wo sie heute noch wohnt. Melanie Arzenheimer arbeitet als freiberufliche Journalistin, Autorin und Hörfunkmoderatorin.
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