Melanie am Letzten – Folge 72: Auf den Hund gekommen

Es ist ein Wahnsinn, ein Irrsinn und nicht selten ein Blödsinn: So geht es zu im Tollhaus Welt. Der Mensch neigt zu seltsamen Verhaltensweisen, die schockieren, alarmieren oder amüsieren können. Was hilft zu guter Letzt? Die Poesie. Nicht ärgern, stänkern oder meckern, sondern dichten – meint die schwarzhumorige Poetin Melanie Arzenheimer und kommentiert die Deadlines des Lebens jeweils am Monatsende auf DAS GEDICHT blog.

 

So, so. Wer einen Hund hat, soll mit diesem jetzt auch regelmäßig spazieren gehen müssen. Der Hund wird das verkraften, bei manch einem Herr/Frauchen dürfte das schon an Leistungssport grenzen, wenn man/frau sich regelmäßig von der Couch erheben muss. Im Prinzip ist das Ganze doch eigentlich ein verkapptes Zwangs-Bewegungsprogramm für Menschen! Ja, man kann von einer Gesundheitsdiktatur sprechen! Leute, begehrt auf! Wo sind die Demos gegen den Gassi-Geh-Befehl?

Die Vierbeiner werden doch nur als fadenscheiniges Argument benutzt, um den Zweibeinern Bewegung aufzuzwingen. Der Chip des Hundes wird dabei heimlich vom Bundesnachrichtendienst mit der Gesundheitskarte des Besitzers gekoppelt, um die Bewegungsdaten gleich an einen großen Zentralrechner zu übermitteln, der von Bill Gates persönlich gebaut wurde. Auf einen Blick ist klar: Frauchen Tatjana und Hund Brutus haben sich zu wenig bewegt. Da muss jetzt eingeschritten werden. Tatjana bekommt ab sofort kein Pedigree Adult mehr.

Aber mal ehrlich: hat nicht jeder Mensch ein Recht auf Faulheit? Auf ungesundes Leben? Auf einen Tod auf dem Sofa – mit der Tüte Chips und einer schönen Flasche Wodka in der Hand? Hinter der Gassi-Geh-Zwangsmaßnahme stecken mit Sicherheit Politiker, die von der Krankenkassen- und Gesundheitslobby geschmiert worden sind. Oder man hat sie unter Druck gesetzt: Wenn ihr die Menschen nicht zu einem aktiveren Leben zwingt und damit die Behandlungskosten senkt, dann kommt noch was viel Schlimmeres. Wir schalten das Internet ab, zum Beispiel. Dann müssen sich die Leute wieder bewegen, um mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen. Eine schreckliche Vorstellung.

Oder wir setzen ein Virus in die Welt, das man nur mit zu hohem BMI bekommt. Daran sterben ausschließlich diejenigen, die der Krankenkasse eh eine Menge Geld kosten. Das Problem mit den Übergewichtigen erledigt sich quasi „auf natürliche Weise“. Solch grausame Pläne verbergen sich doch in Wirklichkeit hinter dem ganzen Spazierganggetue! Aber es wäre schon wünschenswert, die Tiere aus diesen hinterhältigen Planungen raus zu lassen. Die müssen schließlich seit Jahrtausenden jede Menge menschlichen Schwachsinn ausbaden. Und raus gehen, das würden sie sowieso am liebsten ohne Beaufsichtigung durch ein Herrchen/Frauchen. Schließlich kann man dann ganz befreit… Sie wissen schon…

 

Promenadenmischung

Straßenköter
kreuzt die
Königsallee
anschließend
Pudel Désirée

 

© Melanie Arzenheimer, Eichstätt

 

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

Melanie Arzenheimer. Foto: Volker Derlath

»Melanie am Letzten« wird Ihnen von Melanie Arzenheimer präsentiert. Sie wurde 1972 in Eichstätt / Bayern geboren, wo sie heute noch wohnt. Melanie Arzenheimer arbeitet als freiberufliche Journalistin, Autorin und Hörfunkmoderatorin.
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Alle bereits erschienenen Folgen von »Melanie am Letzten« finden Sie hier.

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