Gedichte mit Tradition, Folge 183: »Dauernd drinnen«

»Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie«: eine fortlaufende Online-Anthologie, zusammengestellt von Jan-Eike Hornauer

 

Barbara Weinzierl

Dauernd drinnen
ein Corona-Gedicht nach Rilke

Mein Blick ist vom Vorübergehn an Wänden
So müd geworden
Dass er nichts mehr hält
Mir ists als ob die Wände niemals enden
Und hinter 1.000 Wänden keine Welt
Ich schleich vom Gang hinein in meine Küche
Zum Kühlschrank
Ich kann den Schokopudding sehn
Ich werd ganz high wenn ich nur dran rieche
Ich kann auch heut nicht widerstehn
Nur manchmal
Unterbricht die Stille
Der Lärm von drüben
Ein Nachbar lässt das Bad sich ein
Es zuckt in mir ein kleiner Widerwille
Und kurz danach schlaf ich schon ein
Mein Bauch ist von dem vollen Kühlschrank
So dick geworden
Was mir nicht gefällt
Ich glaub ab morgen werd ich fasten
So denn
Gut Nacht du holde Welt

 

© Barbara Weinzierl, München

 

[ Und hier gibt’s ein kleines, spontan gedrehtes Video zum Text – von und mit Barbara Weinzierl, erschienen im Projekt »Quarantänekunst«: https://www.youtube.com/watch?v=A75dUDH1JVs ]

 

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Gedichte mit Tradition»Gedichte mit Tradition« im Archiv

Zu dieser Reihe: »Gedichte mit Tradition – Neue Blätter am Stammbaum der Poesie« ist eine Online-Sammlung zeitgenössischer Poeme, die zentral auf ein bedeutendes Werk referieren, ob nun ernsthaft oder humoristisch, sich verbeugend oder kritisch. Jeden zweiten Freitag erscheint eine neue Folge der von Jan-Eike Hornauer herausgegebenen Open-End-Anthologie. Alle bereits geposteten Folgen finden Sie hier.

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